Wilhelm Heil: Ein kleines Jubiläum
Aus den Salentiner-Nachrichten Nr. 3, 1961
Zum dritten Male gehen jetzt die Nachrichten an Euch, liebe Salentiner, heraus. Und diese Nummer drei soll eine Jubiläumsnummer sein.
Da unsere Vereinigung erst 1957 aus der Taufe gehoben wurde, konnten wir des 25. Jahrestages des Umzuges in das neue Schulgebäude nicht gedenken. Darum wollen wir den 30. Jahrestag zu einer Rückschau auf dieses in der Geschichte unserer Schule so bedeutsame Ereignis wählen.
Am 11. und 12. Oktober 1931 wurden die "Feierlichkeiten anläßlich der Einweihung und der Feier des 350jährigen Bestehens des Stiftsgymnasiums zu Andernach" begangen. Nur wenige von Euch dürften noch im Besitze der "Festfolge" von damals sein. Aber vielen der damaligen Mitwirkenden und Zuschauer wird die Feier noch in Erinnerung sein. Vielleicht darf ich Eurer Fantasie nachhelfen, indem ich einiges aus dieser Festfolge nenne.
Sonntag, den 11. Oktober: 20.30 Uhr
Begrüßungskommers im Glockensaale. Leitung des offiziellen Teiles: Herr Studienrat Steinbrunn. - Die Damen der Teilnehmer haben Gelegenheit, vom Balkon aus dem Kommers beizuwohnen.
Montag, den 12. Oktober: 9.30 Uhr Festgottesdienst. Der kath. Festgottesdienst wird durch Herrn Stadtpfarrer Rösch in der Stadtpfarrkirche gehalten. - Den evangelischen Festgottesdienst
hält Herr Pfarrer Bonnet in der evangelischen Kirche.
11.15 Uhr Festakt in der neuen Turnhalle.
Anschließend Besichtigung des neuen Gymnasiums.
15.30 Besuch des Bootshauses des G. R. V. "Rhenus", verbunden mit Auffahrt der Boote.
17.00 Uhr Einweihung der Ehrenhalle für die Gefallenen im Stifts-Gymnasium.
20.30 Uhr Festabend im großen Glockensaale.
(Mitwirkende: Gymnasialchor, am Flügel H. Freusberg O III; Geige: Herr Fritz Schumann; Flügel: Herr Franz Reisdorff; Gedicht: Jakob Loch V., Anton Heiliger V.; am Flügel Herr Karl Meyer. Festspiel: "Zusammenbruch und Aufbau" aus Einzel-Sprüchen, Männerchören, Sprechchören und lebenden Bildern. Einzelsprecher: Fridolin Göbel O I, Walter Ecker O II, Josef Biewer U I, Ludwig Schäfer U II, Josef Strohe O I, Otto Lohner O I, Josef Abbott O I.
![]() Die alte Schule in der Hochstraße |
Wir alle waren uns des wichtigen und bedeutungsvollen Ereignisses bewußt, als wir am letzten Morgen, am Samstag, dem 10. Oktober, mit dem Gesang "So leb denn wohl, du stilles Haus" aus der alten Schule in der Hochstraße auszogen. Manche Anwohner in der Hochstraße sollen damals bittere Wehmutstränen bei diesem Gesang vergossen haben. Wir dagegen - wir wollen ehrlich sein - verließen die alte Penne leichten Herzens, trotz ihrer schutzgewährenden Fünfsitzer-Bänke mit ihren wertvollen "Sichtschlitzen", die Schülergenerationen in langer, mühseliger Schnitzarbeit geschaffen hatten. In erwartungsvollem, freudigem Zuge wanderten wir wohlgeordnet durch die Hochstraße - Kramgasse - Bahnhofstraße -Breite Straße nach St. Thomas hinaus. Ein heller, freundlicher Bau empfing uns, unser neues "Stiftsgymnasium". In goldenen Lettern prangte der Name im Bogenfeld des Eingangs. "Litteris sacrum" lasen wir erschauernd über der Tür im Windfang. "Otiosis locus hic non est", mahnte uns eine Inschrift über dem Ausgang. Ob wir diese Mahnung immer ernst nahmen oder nicht; in dieser neuen Penne mit ihren hellen, luftigen Klassen, mit ihrer sauberen, gut eingerichteten Turnhalle haben wir uns sofort heimisch und wohl gefühlt. Wer konnte es uns verargen? Der Unterschied war zu groß! - übrigens, unvergessen sind die lustigen Prozessionen, in denen wir klassenweise den Umzug der Sammlungen durchführten. Jeder achtete darauf, daß er nicht zuviel trug, damit wir möglichst oft hin und herwandern konnten, mit einem Vogel auf dem Ast oder einer Schlange im Glas.
Schnell, fast undankbar, haben wir - nicht "de ahl Penn" -, aber doch das alte Gebäude vergessen.
Mehr als 3 Schülergenerationen sind jetzt schon durch die Schule in St. Thomas gegangen. Nein, eigentlich sind es nur zwei gewesen, denn eine ganze Generation hat der Krieg mit seinen Folgen ausgetrieben.
Wie wechselvoll die Geschichte in diesem doch verhältnismäßig kurzen Zeitraum von dreißig Jahren gewesen ist, verraten schon die mehrmaligen Namensänderungen: Stiftsgymnasium 1931-37, Stiftische Oberschule für Jungen 1937-45, Stiftsgymnasium 1945-54, Staatliches Kurfürst-Salentin-Gymnasium seit 1954.
![]() Das zerstörte Schulgebäude |
Nicht größer, aber geräumiger ist das zerstörte Schulgebäude wieder aufgebaut worden. Und doch ist es jetzt schon zu eng geworden durch das schnelle Wachstum der Stadt Andernach, aber auch der Dörfer des Einzugsgebietes unserer Schule. Dabei muß noch vermerkt werden, daß die Schüler aus Sinzig, Zissen, Niedermendig, Weißenthurm und Fahr-Irlich sich größtenteils anderen Schulen zugewandt haben, die heu-
te für sie günstiger liegen. Einzelheiten zur Geschichte der Schule seit 1931 kennt Ihr
aus der Festschrift von 1957.
W. H.
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