Projekt „Behinderte in unserer Gesellschaft“
Die Probleme, die Behinderte an und in 300 Andernacher Gebäuden haben, wollen 46 Schüler des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums ermitteln. Damit die Hausbesitzer keine Schwierigkeiten machen, übergab im Rathaus Oberbürgermeister Achim Hütten allen Teilnehmern einen Sonderausweis.
Unter den 49 Vorhaben der Projektwoche „One world-one future?“ am KSG ist das von Regina Pickel-Bossau, der Vorsitzenden des Behindertenbeirates der Stadt, geleitete Projekt „Behinderte in unserer Gesellschaft“ ein besonderes Vorhaben. Die Teilnehmer wollen in drei Tagen einen Stadtführer für Behinderte erstellen. Nach 1974 und 1981 ist es das dritte Mal, daß ein solcher Stadtführer zusammengestellt wird. Damit sei Ander-nach Vorreiter für die Behindertenführer anderer Städte und das KSG die erste Schule in Deutschland, die an einem Behindertenstadtführer mitarbeitet, erklärte Regina Pickel-Bossau.
Unterstützt werden die Schüler dabei vom Behindertenbeirat und der Stadtverwaltung. „Nach einer Einführung, die den Blick der Schüler für die Probleme Geh- und Sinnesbehinderter schärft“, so erklärte Regina Pickel-Bossau, „sollen die Teilnehmer an drei Tagen durch kon-
kretes Erleben und Begehen ein Verständnis für unsere Situation bekommen“.
Entstanden ist das Projekt durch einen Vorschlag von Benjamin Koch. Der KSG-Schüler arbeitet seit drei bis vier Jahren als Aushilfe bei der konduktiven Therapie für behinderte Kinder. Koch gehört auch dem Organisationsteam der Projektwoche an. Den Kontakt zum Behindertenbeirat und zu Regina Pickel-Bossau stellte Hauptorganisator Lars Hörnig her. Gemeinsam plante man dann das Projekt.
Am KSG stieß der Projektvorschlag in allen Altersklassen auf Begeisterung. 46 Schüler, das sind fast 5 Prozent aller KSGIer, meldeten sich für das Projekt. Bei all dem lag Schuldirektor Eberhard Häckell eine Sache besonders am Herzen: „Mit Projekten wie .Behinderte in unserer Gesellschaft' gliedert sich die Schule in die Andernacher Gesellschaft ein und steht nicht länger am Rand“, so Häckell. (kr)
Die Projekttage 2000
Zum ersten Mal nach drei Jahren fanden wieder Projekttage am Kurfürst-Salentin-Gymnasium Andernach statt. Nachdem man die erste Hürde, das Lehrerkollegium, genommen hatte, stand das Orgateam vor sechs arbeitsreichen und stressigen Wochen am Ende des vergangenen Schuljahres, in denen das Ziel war, etwa 50 Projekte an Land zu ziehen. Noch vor den Sommerferien präsentierte man den erstaunten Gesichtern 61 Projekte, zwei mehr als bei der letzten Auflage, als noch Sport, Spiel und Spaß im Vordergrund stand.
In den ersten Wochen des neuen Schuljahres wählten die Schüler aller Jahrgangsstufen dann ihr Projekt, worauf das Orgateam 820 Wahlzettel auswerten mußte. Und somit waren die besten Voraussetzungen gegeben für drei Tage Projektwoche unter dem Motto. „Eine Welt, eine Zukunft - One World, one future“.
Mit „Römischer Kleidung“ beschäftigten sich 14 Schüler der Jahrgangsstufe 5 und 6 mit Projektleiterin Frau Ritzdorf. Das Thema „Portugal“ nahm sich Frau Bager mit etwa 10 Schülern zu Herzen. Frau Bourmer widmete sich „Lateinamerika“, einem Kontinent voller Reize und Gegensätze. Für die Klassen 8 bis 10 bat die aus Kolumbien stammende Schülermutter zum Tanz und an den Kochtopf.
„Anspannung und Entspannung im Global Village“ war ein gesundheitlich gerichtetes Projekt und war Seminar der Meditation für die Klassenstufen 11 bis 13 unter der Leitung von Herrn Fuchs. Florian Maler und Daniel Exner beschäftigten sich mit der modernen Science-Fiction im heutigen Staatssystem. Das Projekt lief für die Klassen 9 bis 13 unter den Namen „Populäre Zukunftsvisionen“. Mit „Energien für die Zukunft“ unterhielt Diplomingenieur Richard Moeller enorm viele Teilnehmer, die sich klar wurden, das letztendlich ja alle Menschen Energie brauchen und auch noch lange brauchen werden. Natürlich wurde auch die „Projektzeitung“ unter das Angebot gepackt. Philipp Neideck, Konstantin Schneider, Regina Baar und Frau Weber erstellten zusammen mit Peter Heinsch dank vieler Überstunden in Rekordzeit eine Sonderausgabe der Schülerzeitung „Sphinx“.
„Retten, löschen, bergen, schützen -Die Feuerwehr“. Andreas Olck und Steve Kreuz erteilten für fünf Klassenstufen einen Einblick hinter die Kulissen der Feuerwehrmänner. Die Lehrer Rees, Fröhlich, Nowicki und Rayes waren mit 21 Teilnehmern „mit Momo den Zeitdieben auf der Spur“
„Mystisches Mandalamalen“ hielt 14 Künstlerinnen und Künstler dank der Projektleitung von Kerstin Maurer und Christina Ulmen bei Laune. Ein weiteres Projekt lautete: „Zukunft: Utopien. Wunschbilder, Träume oder Albträume?“ und wurde von Kunstlehrerin Frau Berberich geleitet Der „Musikworkshop' gab nicht nur Musikneulingen einen Blick hinter die Kulissen einer Bühne. Er vermittelte auch das Gefühl des Lampenfiebers kurz vor einem Auftritt vor hunderten Menschen, wie es die Teilnehmer mit ihrer Show zur Präsentation in der Beethovenhalle verspürten.
Die „Situation der Radfahrer in Ander-nach“ verdeutlichte die Verkehrswacht Mayen-Andernach Schülerinnen und Schülern des Projekts Nr. 41. Dorothea König und Anne Setzkorn philosophierten über „Liebe hält die Welt zusammen!“ Bewährt hat sich allemal auch der „Schulsanitätsdienst“, den das Deutsche Rote Kreuz fünfzehn Interessenten näherbrachte. Zum „Bemalen von Kunstkeramik“ besuchten die kleinsten der Schüler des Kurfürst-Salentin-Gymnasi-ums das von Frau Geib und Frau Schlich angebotene Projekt, welches riesige Freude verbreitete.
„Was mach ich eigentlich nach der Schule?“ Diese Frage stellten sich zusammen mit dem Arbeitsamt Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 13 in „What's up after school?“ „Window Color“ wurde von vier Betreuerinnen und der Lehrkraft Anke Rutekolk geführt. Johannes Porz und Petra Butter informierten über die Entwicklung des Fernsehens in „Kultur Pur“ von Unterhaltungsmedien bis hin zu Filmen.
„Die Philippinen“ stellten Frau Fickler und Frau Jonas in den Mittelpunkt ihres Beitrages. Brauchtum, Kultur und Sprache standen ganz klar an vorderer Stelle. Ferner diskutierten 20 Teilnehmer über „Suchtmittel im Wandel der Zeit“ zwischen 1. Weltkrieg und der heutigen Partyszene. Anbieter war die Drogenberatungsstelle in Andernach. Das Buch „Crazy“ von Erfolgsautor Benjamin Lebert war Thema genug für Nadine Bauer, Lena Diensberg und Eva Rosenzweig .
„Die Welt tanzt“ erfuhren engagierte Gesichter dank Herrn Dajmas musikalischem Projekt. „Gens una“ sumus und die Faszination des Schachspiels vermittelt Herr Preise in seinem immer wiederkehrenden Projekt dem KSG Andernach.
Die Firma Heuft erarbeitete „Grafische Intros für die Präsentation“ per Computer. Weitere Angebote waren „Gesund bleiben durch richtige Ernährung“ im Fitness-Studio „Motion“, das Einrichten einer eigenen Projekthomepage, die Finanzmärkte mit einem „Einblick - total global“ oder „Koreanische Kultur“, die die Besucher der Ausstellung am Freitag kulinarisch genossen.
Den „Sport und die Natur im Konflikt“ sahen Rudi Kerres, Klaus Hahnel und Bernd Tantow, die mit ihren Schülern zum Laacher See unterwegs waren. Die „Bundeswehr im Umbruch“ stellte Hans Jochen Annuss den Klassen 10 bis 13 vor, vom Alltag bis hin zu Auslandseinsätzen.
Höhepunkt der Projekttage war der Besuch der EXPO-Gruppe auf der Weltausstellung in Hannover unter der Betreuung von Dr. Porz. Die Schüler fuhren am Donnerstag um 4 Uhr morgens ab und verbrachten einen Tag lang inmitten 170 Pavillons.
Mathematiklehrer Herr Czernik vertiefte sich in Materialien zur schieren Zahl der „Weltbevölkerung“, und Wolfgang Schwarz brachte mit Klasse 8a einen Plan zur gesunden Ernährung den Teilnehmern nahe. Auch „Behinderte in unserer Gesellschaft“, „Die Indianer“, „Die Zukunft der Fotographie“ und „Ohne Wasser läuft nichts“ erfreuten sich großer Beliebtheit. Auch „Der Fußball und seine Fans im Wandel der Zeit“ hatte seine Vorzüge. Gerade der Besuch des DFB-Fanbeauftragten Rainer Mendel brachte eine gute Abwechslung in die Diskussionen über Hooligans, Ablösesummen und Fangesänge. Das „Symposion“, zu deutsch das gemeinschaftliche Trinken, beschäftigte sechzehn Teilnehmer drei Tage lang zusammen mit Leiter Herr Ritzdorf.
Insgesamt gesehen war es eine gelungene Projektwoche, die mit einer problemlosen Präsentationsshow abgeschlossen wurde. Hierbei war ein zufriedener Dank an alle, die dem Gelingen dieser außergewöhnlichen Veranstaltung beigetragen haben, nicht zu überhören.
ASZ Nr. 37/2000