Eberhard Häckell: Das KSG auf dem Weg zum Bildungslabor?
Im Rückblick auf das Jahr 2000 treten einige Erlebnisse aus dem Schulleben am KSG besonders in den Vordergrund.
Die Arbeit in der Schulleitung war besonders durch die schleppende Umstellung der Schulaufsichtsbehörde belastet.
Eine zentrale Behörde für ganz Rheinland-Pfalz, die jetzt Aufsichts- und Dienstleistungs-Direktion (ADD) benannt ist, nahm mit Jahresbeginn ihre Arbeit in Trier auf. Die bisherigen drei Bezirksregierungen in Koblenz, Neustadt und Trier wurden zum Teil aufgelöst. Die Schulabteilungen verblieben in stark dezimierter Form als sogenannte Außenstellen erhalten. Der gesamte Schriftverkehr ist jetzt mit Trier zu führen.
Durch die Umstellungsschwierigkeiten, Einarbeitung neuer Verwaltungskräfte und unzureichende personelle Ausstattung gab es monatelange Verzögerungen bei wesentlichen schriftlichen Bescheiden. So wurden z. B. Einstellungsbescheide für neue Lehrkräfte, Teilzeitbescheide usw. für Lehrkräfte, die ab Schuljahresbeginn ihren Dienst versahen, z. T. erst zum Jahresende zugestellt. Eine unzumutbare Situation für die betroffenen Lehrerinnen und Lehrer.
Inzwischen gibt es Anzeichen für eine Normalisierung der Situation, so daß die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft berechtigt zu sein scheinen.
Diese Zukunft steht auch unter der Vision einer zunehmenden Nutzung der Segnungen der elektronischen Informationstechnik.
Highligt war eine direkte Vernetzung aller Schulleitungen mit dem Ministerium in Mainz mit dem Namen Elektronische Post für Schulleiter (EPOS).
Allgemeine Nutzung von FAX und E-Mail ist auch im Schulbereich im Vormarsch. Bei der technischen Ausstattung der Schulen nimmt der Schulträger, die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz, eine Vorreiterrolle ein. Verstärkt seit dem Jahr 2000 werden kreiseigene Schulen mit Informatiklabors versehen. Alle Klassen- und Fachräume erhalten Internetanschlüsse in einem schulinternen Netz.
Durch die Unterstützung der Aktion „Schulen ans Netz“ haben unsere Schüler schon jetzt sowohl in den beiden Informatiklabors als auch in der Mediothek freien Zugang ins Internet. Der staunenden Lehrerschaft stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, warum seit Jahren für die herkömmliche Ausstattung der Schule stets Sparauflagen hingenommen werden mußten und jetzt im Zusammenhang mit der Computereuphorie die Mittel großzügig fließen. Es stellt sich auch die Frage nach der Bildungswirkung neuer Medien und nach dem Qualifizierungswillen und -angeboten für die Lehrerschaft.
Kritik und Augenmaß ist auch im Hinblick auf veränderte Lerndispositionen unserer Schülerinnen und Schüler gefordert, einer Jugend, die der Medienverführung ungehindert ausgesetzt ist. Die optische Informationsflut verführt zur geistigen Bequemlichkeit und verdrängt zunehmend die Bereitschaft zu konzentrierter geistiger Arbeit.
Mühsam versuchen wir Lehrer diesem Trend entgegenzusteuern. „Methodentraining“ in der Orientierungsstufe ist ein solcher Ansatz. Daneben müssen auch Lehrer ihre Unterrichtsmethoden überdenken. Dies geschah z. B. während eines Studientages am 29. Januar dieses Jahres. Einzelne Ansätze lassen sich finden, der goldene Erfolgsweg bleibt jedoch noch im Dunklen.
Einen kritischen Höhepunkt der Erfolglosigkeit im Unterricht erfuhren wir im letzten Jahr mit der Leistungsschwäche der damaligen Stufe 11. Fazit: rund 20 Schülerinnen und Schüler verließen zum Schuljahresende unsere Schule, z. T. um einen neuen Ansatz an einem nahen Gymnasium in Nordrhein-Westfalen zu versuchen.
Wir blicken dennoch nicht pessimistisch in die Zukunft. Zu welchen Leistungen Schülerinnen und Schüler auch fähig sind, stellten diese im Rahmen der Projekttage im September letzten Jahres unter Beweis. Eine Schülergruppe der Oberstufe unter Leitung des ehemaligen Schülersprechers Lars Hörnig brachte diese schulische Sonderveranstaltung auf den Weg. Mit großem Einsatz organisierten sie das dreitägige Vorhaben weitgehend selbstständig und leiteten die Durchführung bis hin zur Abschlußpräsentation mit großer Umsicht. Wir Lehrer wurden als Berater und Projektleiter von ihnen lediglich mit eingebunden.
Zur Standortbestimmung unserer Schularbeit sollen zwei großangelegte Tests dienen, an denen unsere Schule im Mai des vergangenen Jahres beteiligt war. MARKUS war ein Test für alle Achtkläßler des Landes Rheinland-Pfalz, der den Leistungsstand und die Lernbedingungen, bezogen auf das Fach Mathematik feststellen soll.
PISA dagegen war eine internationale Erhebung für Neuntkläßler, an der ausgewählte Schulen im Rahmen der OECD beteiligt waren - unter anderem auch das KSG.
Die Auswertungen beider Tests laufen noch, die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet.
Zum Schluß, wie gewohnt, ein Zahlenüberblick zur Schülersituation. Nachdem 84 erfolgreiche Abiturientinnen und Abiturienten das KSG im Juni verlassen hatten, rückten im neuen Schuljahr 138 Sextanerinnen und Sextaner nach. Besonders groß war bei ihnen erfreulicherweise auch das Interesse am altsprachlichen Zweig.
Zwei komplette Klassen mit insgesamt 53 Schülerinnen und Schülern entschieden sich diesmal für die 1. Fremdsprache Latein. Dies ist wohl auch damit zu begründen, daß für diesen Jahrgang erstmals angeboten wurde, den Beginn der 2. Fremdsprache Englisch auf die Klasse 6 vorzuziehen.
Bei allen Unsicherheiten, was die sich wandelnden Lebensbedingungen unserer Gesellschaft anbetrifft und damit einhergehend auch die Veränderung unserer Jugend, hoffen wir von Lehrerseite, daß wir auch weiterhin für unsere Schülerinnen und Schüler einen angemessenen „Schulweg“ sichern können zur Vorbereitung auf das spätere Leben.
|
Stufe |
Jungen |
Mädchen |
Summe |
Klassen/ Stammkurse |
Latein
1. FS
|
Latein 2. FS |
Summe |
Griechisch |
|
5 |
61 |
77 |
138 |
5 |
53 |
|
53 |
|
|
6 |
62 |
47 |
109 |
4 |
20 |
|
20 |
|
|
7-10 |
159 |
175 |
334 |
15 |
75 |
63 |
128 |
21 |
|
11-13 |
129 |
109 |
238 |
14 |
|
|
84 |
21 |
|
Summe |
411 |
408 |
819 |
38 |
|
|
316 |
42 |