Die Jahrgänge berichten: 1949
Wiedersehen mit der Vergangenheit: Abiturientia 1949 feierte 50jähriges Jubiläum
Am 28./29. Mai 1999 feierten die ehemaligen Salentiner, die 1949 ihr Abitur ablegten.
Nach einer ersten Begrüßung im Parkhotel, an der Stelle des früheren „Schänzchen”, begab man sich zum Kurfürst-Salentin-Gymnasium, wo Dr. Fischer die Schar (immerhin 18 Personen) erwartete. Lange verweilte man an der Gedenktafel zur Erinnerung an die gefallenen Lehrer und Schüler aus zwei Weltkriegen. Alle wurden sich der „Gnade der späten Geburt“ bewußt. Keiner der Anwesenden wurde zum Kriegsdienst herangezogen, wenn man von Schanzarbeiten am Westwall absieht. Beim Betreten einiger Klassenzimmer im rechten und linken Flügel, die zunächst nicht durch Bomben zerstört worden waren, aber dann doch noch ausbrannten, tauchten manche Erinnerungen aus den Jahren 1940 bis 1944. auf Danach wurde der Schulbetrieb eingestellt und erst am 1. Oktober 1945 wieder aufgenommen, und zwar per „Schichtbetrieb” in der unzerstörten Thomas-Schule. Dort fand dann 1949 auch die Abiturprüfung statt mit der damals üblichen Benotung von 1 bis 20 Punkten.
Dr. Fischer hielt für die Besucher eine Überraschung bereit: kurze Einsichtnahme in die damaligen Prüfungsaufgaben und Beurteilungen, die die Zeitläufe überdauert hatten. Erhalten blieben aber nur die Unterlagen der A-Klasse (das waren im wesentlichen die Andernacher), indes die Auswärtigen in der B-Klasse zusammengefaßt waren. Die hohe Schülerzahl gebot dies, denn nach dem Krieg mußten viele, die nicht vor Kriegsdienst und Gefangenschaft das Notabitur machen konnten, nochmals die Schulbank drücken. Es gelang Herrn Dr. Fischer, einige neue Mitglieder für die Vereinigung ehemaliger Salentiner zu gewinnen.
Nach dem 1949er Abitur verließen viele Abiturienten die heimatliche Stadt, um sich dem Studium oder dem Berufsleben hinzugeben. So ist es zu erklären, daß Ehemaligen-Treffen nur selten stattfanden, nämlich 1952, 1980 und aus Anlaß der 50. Wiederkehr des Abiturs im Jahre 1999. Manche erkannten sich spontan wieder, andere mußten raten. Eingeladen war auch Oberstudienrat Feuster, der einzige noch lebende Lehrer aus der damaligen Zeit. Er schrieb einen netten Brief und bedauerte, aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen zu können.
50 Jahre - das ist die gesamte Zeitspanne von Berufsanfang (oder Studium), der Berufsausübung und des frühen Ruhestands. Während man 1952 und 1980 noch überwiegend von Plänen und der Zukunft sprach, waren die Gedanken diesmal überwiegend dem Gewesenen und Gehabten zugewandt. Das ist normal; Senioren schwelgen nun mal gerne in der Vergangenheit, die sich längst verklärt hat. Diskutiert wurde z. B. auch die Frage, ob die heutigen Abiturienten besser „dran“ sind als die Nachkriegsabiturienten, die überwiegend vermittels Schultafel und Schmierzetteln lernten. Ergebnis: Wir sind nicht dümmer als die Heutigen, nur halt anders. Brückenschläge zwischen damals und heute sind nur bei viel Verständnis füreinander möglich.
Das Schänzchen damals war der Saal in Andernach. Dort gab es Tanzstunde (für die 1949er war sie erst nach dem Krieg), und an der Straßenkurve vor dem Anwesen mußten die Lkws sehr langsam fahren, so daß dort nach der Schule die Auswärtigen „enterten“, um an den Langsam-Stellen in Brohl, Bad Breisig und Sinzig wieder abzuspringen. Einige wandten sich an die dort postierten französischen Soldaten mit dem Zettel „Arrêtez-moi une auto, s‘il vous plaît!“. Oft gelang es.
Der Abend des 28. Mai wurde lang und endete ob des warmen Wetters im Biergarten. Der Umstand, daß am 29. Mai ein Museumsbesuch in Bonn vorgesehen war, trieb schließlich auch die Unentwegten ins Bett.
Ein Treffen nach 50 Jahren ist von erheblichem Gewicht und sollte sich nicht in einem Festkommers erschöpfen. Man tat auch etwas für die „Bildung“. Am 29. Mai erfolgte ein Besuch im Museum der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, in dem genau „unsere“ Zeit“ dargestellt und vielleicht auch aufgearbeitet wurde. Ein gemeinsames Essen beschloß das Treffen. Es gefiel allen so gut, daß man sich über ein weiteres Treffen in zwei Jahren verbindlich einigte.
Dr. Kerstiens
1957
Auch in diesem Jahr haben wir wieder den Tod eines Konabiturienten zu beklagen. Werner Breil ist im November des vergangenen Jahres nach einem Leben voller Probleme verstorben. Wir gedenken seiner in Trauer.
Franz Breil