Die Jahrgänge berichten: 1927
Domdechant Johannes Wagner gestorben
Am 25. November 1999 starb in Trier der emeritierte Domdechant Johannes Wagner im Alter von 91 Jahren. Der Verstorbene, der am 5. Februar 1908 in Brohl geboren wurde, war ein ehemaliger Schüler des Andernacher Stiftsgymnasiums, an dem er 1927 das Abitur machte. Ihm widmete Prof. Dr. Balthasar Fischer im Paulinus einen langen Nachruf.
Als Schüler des Stiftsgymnasiums trat Johannes Wagner dem katholischen Bund Neudeutschland bei und war, wie sich den Schulakten entnehmen läßt, zur Zeit seines Abiturs Gauvorsitzender für den „Mittelrheingau“. Durch die Arbeit dieser Jugendorganisation lernte Wagner das Werk Romano Guardinis kennen, mit dem er später eine lebenslange persönliche Freundschaft schloß. Der Einfluß der von Guardini inspirierten Liturgiebewegung veranlaßte ihn, nach dem Abitur Theologie zu studieren. Nach Beendigung seines Theologiestudiums weihte Bischof Franz Rudolf Bornewasser ihn am 30. Juli 1932 im Trierer Dom zum Priester. Danach wurde er Kaplan in Saarbrücken, ab 1935 war er in Saarbrücken als Caritasdirektor tätig.
Während seines Studiums hatte Wagner in seinem Dogmatikprofessor, Prof. Dr. Heinrich von Meurers, einen weiteren Lehrer kennengelernt, der sein Leben entscheidend prägte. Als Heinrich von Meurers 1936 Generalvikar des Bistums Trier wurde, berief er den jungen Johannes Wagner auf die neu geschaffene Stelle eines Diözesansekretärs der katholischen Aktion. Heinrich von Meurers griff auf Wagners Mithilfe zurück, als er die Reform der Liturgiebücher des Bistums Trier (Taufe, Begräbnis, Trauung) in Angriff nahm. Auf Vorschlag des Trierer Generalvikars wurde Wagner m Jahre 1946 zum Sekretär der Liturgischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz berufen. Dieses Amt übte er bis zum 31. Dezember 1975 aus.
Der Paulinus schreibt in diesem Zusammenhang: „Die eigentliche Lebensaufgabe von Johannes Wagner ergab sich aber erst, als sich aus dem Schoß dieser Kommission durch Beschluß vom 17. Dezember 1947 das Liturgische Institut entwickelte. Die Gründungsurkunde trägt u. a. die Unterschriften von Romano Guardini, Heinrich von Meurers und Johannes Wagner. Bis 1954 war es soweit, daß Johannes Wagner die Leitung dieses Instituts übernehmen konnte. Er blieb sein Direktor bis zum Ende des Jahres 1975. In diesen Jahren hat er den Grund zur Bedeutung gelegt, die es in der deutschen Kirche und längst auch auf der internationalen Szene gewonnen hat. Das zu seiner hohen Begabung hinzukommende ungewöhnliche Organisationstalent (das sich auch und vor allem auf der finanziellen Ebene auswirkte) kam ihm dabei zustatten. In die erste vorkonziliare Phase dieser Tätigkeit fiel die Verantwortung für die vielgerühmten Groß-Gottesdienste unter freiem Himmel auf dem sogenannten „Pontifikalplatz“ hinter der Trierer Basilika aus Anlaß der Ausstellung des Heiligen Rockes. ... Der Radius dieser Tätigkeit von Johannes Wagner sollte sich noch einmal beträchtlich ausweiten, als er 1960 in die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils berufen wurde; Papst Johannes XXIII. ernannte ihn 1962 zum Konzilstheologen; im Gremium, das die Ausführung der Liturgiekonstitution übernahm, im Consilium, leitete er die wichtigste aller Arbeitsgruppen, die Arbeitsgruppe Meßfeier. Alles was das Konzil auf diesem für das Leben der Kirche zentralen Sektor getan und neu geordnet hat, trägt die Handschrift von Johannes Wagner.“
1971 wurde Wagner Mitglied des Domkapitels, zu dessen Dechanten Bischof Stein ihn 1976 ernannte. Nach seiner Emeritierung Ende 1975 widmete sich Johannes Wagner der Trierer Patendiözese in Bolivien. In diesem Zusammenhang hält es der Nachruf im Paulinus für besonders erwähnenswert, daß er im Februar 1978 seinen 75. Geburtstag „in einem weltverlorenen Indianerdorf in den Anden, 4.000 Meter über dem Meeresspiegel“ feierte.
Nicht nur die Trierer Kirche trauert um einen Mann, der sich um die Weltkirche verdient gemacht hat.
nach Paulinus,
12. Dezember 1999