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Gerhard Feuster zum 90. Geburtstag


 

Die Vereinigung ehemaliger Salentiner gratuliert auch Herrn Gerhard Feuster, unserem ältesten Jubilar, der am 9. September 1999 neunzig Jahre alt wurde. Die Schule und die ehemaligen Schüler hatten ihn nicht vergessen. Am Samstag vor dem Geburtstag erschien bereits Weihbischof Dr. Genn, um ihm zu gratulieren. Dr. Genn hatte seinen ehemaligen Lehrer zu seiner Bischofsweihe nach Trier eingeladen; Herr Feuster hatte die Einladung zu seinem Bedauern leider nicht annehmen können. Am Tage des Geburtstags selbst kamen Wolfram Viertel und Dr. Wolfgang Fischer, um dem Jubilar die Glückwünsche der Abiturientia 1959 zu übermitteln, deren Klassenlehrer Herr Feuster gewesen war. Schließlich überbrachten auch Herr Häckell und ein Mitglied des Personalrats die Glückwünsche des Lehrerkollegiums.

Herr Feuster wurde in Osterrath bei Krefeld geboren, wo er auch die Volksschule besuchte. Auf das Gymnasium bereitete er sich durch Privatunterricht vor, und nachdem er die Aufnahmeprüfung für die Quinta bestanden hatte, kam er als Quintaner an das Quirinus-Gymnasium Neuss, wo er auch im Jahre 1928 Abitur machte.

Seine Gymnasialzeit war eine schwere und entbehrungsreiche Zeit. Eine besondere Erinnerung hat sich Herr Feuster an die Monate des Ruhrkampfes und des passiven Widerstands (1923) bewahrt. Die auswärtigen Schüler waren auf die Eisenbahn angewiesen. Die Franzosen hatten jedoch die Reichsbahn in eigene Regie genommen. Als ihren Beitrag zum passiven Widerstand des deutschen Volkes boykottierten die Schüler die Eisenbahn und weigerten sich, mit dem Zug zur Schule zu fahren. Fast neun Monate lang zogen sie es vor, täglich jeweils zehn Kilometer zu Fuß zur Schule und wieder zurück zu gehen. Diese Maßnahme wurde von der Schulbehörde aus politischen Gründen unterstützt, und das Provinzialschulkollegium verfügte, daß, wer unter diesen erschwerten Bedingungen zur Schule gegangen war, nicht aus diesem Grunde sitzenbleiben durfte.

Nach dem Abitur studierte Gerhard Feuster Naturwissenschaften, Biologie, Geographie und Mathematik. Zunächst blieb er drei Semester in Köln; dann war er zwei Semester in München, und schließlich sieben Semester in Bonn, wo er 1935 das erste Staatsexamen für das Lehramt an höheren Schulen ablegte und die Lehrbefähigung in Mathematik, Biologie und Erdkunde erwarb. Seine zweijährige Referendarzeit absolvierte er in Aachen am Staatlichen Kaiser-Wilhelm-Gymnasium; die Prüfung des zweiten Staatsexamens fand jedoch in Düsseldorf statt (1937).

Um eine Anwartschaft auf eine spätere Anstellung zu erwerben, mußten die Studienassessoren damals eine gewisse Zeitlang ohne Entgelt arbeiten. Danach, im Frühjahr 1938, erhielt Feuster seine Anstellung als Assessor in Mühlheim an der Ruhr. Er blieb an seiner Schule, bis er im Februar 1941 zum Kriegsdienst eingezogen wurde und  nach Münster (Westfalen) zur Nachrichtentruppe kam. Als Mathematiker meldete er sich zu einem Ausbildungskurs für die Entzifferung feindlicher Funksprüche. Nach erfolgreicher Absolvierung mehrerer Prüfungen wurde er in das Oberkommando des Heeres in Ostpreußen (OKH) zur Funkleitstelle des Generals Fellgiebel in Lötzen bei Rastenburg abkommandiert. Nach dem Attentat des 20. Juli 1944 wurde die Funkleitstelle aufgelöst und ihre Mitglieder auf die einzelnen Heeresgruppen verteilt. Zum Zeitpunkt der Kapitulation war er in die Tschechei (Protektorat) und geriet in amerikanische Gefangenschaft, konnte jedoch bald fliehen.

In Lötzen erhielt Gerhard Feuster im Sommer 1941 einen Brief des Direktors der Stiftischen Oberschule für Jungen Andernach, in dem Oberstudiendirektor Hermann Brinckmann ihm eine planmäßige Anstellung als Studienrat an seiner Schule anbot. Feuster nahm dieses Angebot an und wurde im Februar 1942 zum Studienrat an der Stiftischen Oberschule für Jungen in Andernach ernannt.

Seinen Dienst konnte Studienrat Feuster erst 1947 antreten. Im Jahre 1965 wurde er zum Oberstudienrat ernannt, und mit Wirkung vom 1. Februar 1975 wurde er in den Ruhestand versetzt.

Seitdem sind 25 Jahre vergangen. Als es die Gesundheit noch gestattete, widmete er sich der Gartenarbeit, dem Kegeln und dem Skatspielen. Inzwischen fordert das hohe Alter seinen Tribut. Herr Feuster lebt heute zurückgezogen in seinem Haus am Schillerring. Er liest gerne und viel, mit Vorliebe Sachbücher, und er verfolgt auch die wissenschaftlichen Fernsehsendungen über Themen der Naturwissenschaften und Astronomie.

Die Vereinigung ehemaliger Salentiner wünscht Herrn Feuster und seiner Frau alles Gute und Gottes Segen.