Ferdinand Broemser zum 80. Geburtstag
Auch Ferdinand Broemser, der am 4. August 1999 achtzig Jahre alt wurde, gratuliert die Vereinigung ehemaliger Salentiner recht herzlich.
Herr Broemser wurde in Bernkastel-Kues geboren. Dort verbrachte er die ersten Kindheitsjahre, bis sein Vater nach Trier versetzt wurde; dort trat er nach Vollendung des vierten Schuljahrs in die Sexta des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums eintrat.
Der Vater war ein überzeugter Gegner des Nationalsozialismus, der sich nicht scheute, die NSDAP anzugreifen. Öfters fuhr er dienstlich mit der Bahn nach Saarbrücken, Diedenhofen oder Luxemburg. Bei einem solchen Kurzaufenthalt in Luxemburg-Stadt kaufte er die dortige Zeitung „Das Luxemburger Wort“, lobte auf der Rückreise diese Zeitung und empfahl seinen Mitreisenden ihre Lektüre mit der Bemerkung, daß diese Zeitung die Wahrheit berichte.
Diese Bemerkungen wurden von Nationalsozialisten, die im Zug in Zivil mitfuhren, gehört und gemeldet, so daß der Vater festgenommen, verhört und aus dem Staatsdienst entfernt wurde. Nur dank der Intervention des Trierer Bischofs Dr. Rudolf Bornewasser wurde die Strafe in eine Strafversetzung nach Braunschweig umgewandelt. So kam Ferdinand Broemser nach Braunschweig, wobei die Umstellung auf das fremde Schulsystem mit seinen anderen Lehrplänen ihn ein Schuljahr kostete.
Da Ferdinand Broemser sich weigerte, der HJ beizutreten, nahm man das zum Anlaß, ihn Ostern 1939 nicht zur Reifeprüfung zuzulassen, so daß er das Abitur erst ein halbes Jahr später im Herbst 1939 ablegen konnte.
Nach dem Abitur verdiente sich Herr Broemser Geld, zunächst durch die Arbeit in einem Flugzeugwerk, danach in einer Konservenfabrik, bis er eines Tages den Gestellungsbefehl erhielt und nach Lippstadt (Westfalen) einberufen wurde. Er kam zu einer Transporteinheit der Luftwaffe und bekam außer der militärischen Grundausbildung auch eine Ausbildung als Waffentechniker. Dies bewahrte ihn im Krieg davor, in vorderster Front eingesetzt zu werden, da die Transportflieger von Feldflugplätzen aus operierten, die hinter der Front lagen.
Der Krieg führte ihn auf die verschiedensten Kriegsschauplätze. Sein erster Kriegseinsatz war 1940 Frankreich. Ein Jahr später, im Mai und Juni 1941, erlebte er die Kämpfe in Griechenland, nachdem seine Transporteinheit auf einen griechischen Feldflugplatz verlegt worden war.
Im weiteren Verlauf des Krieges wurde seine Transportfliegereinheit in Rußland, in Rumänien und dann wieder in Rußland eingesetzt. Auch nach Italien wurde sie geschickt, um vor dort aus das Afrikakorps zu unterstützen. Der Winter 1942/43 sah Herrn Broemser wieder im Südabschnitt der Ostfront, wo die Transportflieger von einem rückwärts gelegenen Feldflugplatz aus zur Versorgung Stalingrads mit Waffen, Munition und Treibstoff herangezogen wurden. Bei einem ihrer Durchbrüche durch die deutschen Linien waren die Russen so schnell, daß die Einheit sich nur in letzter Sekunde vor der Gefangennahme retten konnte.
Bei Kriegsende war Broemser in der Nordostecke des Protektorats bei einem Ort namens Nimes, wo er in russische Gefangenschaft fiel und in ein Kriegsgefangenenlager nördlich von Dresden gebracht wurde. Da man ihn im Lager auch als Hilfspolizist verwendete, wurde er bei der Auflösung des Lagers freigelassen und schlug sich nach Braunschweig durch, das in der britischen Zone lag.
1946 ging Ferdinand Broemser an die neugegründete Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und studierte Latein, Griechisch und Geschichte. 1950 legte er das erste Staatsexamen, 1952 die Assessorprüfung ab. Über das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier und das Regino-Gymnasium in Prüm kam er schließlich im Jahre 1956 als Studienrat an das Kurfürst-Salentin-Gymnasium Andernach. 1965 wurde er zum Oberstudienrat, 1975 zum Studiendirektor und Fachberater für Griechisch in den Regierungsbezirken Koblenz und Trier ernannt. Im Jahre 1982 wurde er in den Ruhestand versetzt.
Herr Broemser blickt auf ein erfülltes Leben zurück, in dem wissenschaftliche Arbeiten einen großen Platz einnehmen. Von seinen Veröffentlichungen fanden „Das Fastnachtsspiel des Matthäus Creutz aus Andernach von 1552“ (1980) und „Johann Winter aus Andernach (Ioannes Guinterius Andernacus) 1505 -1574. Ein Humanist und Mediziner des 16. Jahrhunderts“ (Andernacher Beiträge 6) (1989) besondere Anerkennung und sichern ihm einen besonderen Platz in den Annalen der Stadt Andernach.
1983 und 1995 warteten die Salentiner-Nachrichten mit einer langen Liste der wissenschaftlichen Veröffentlichungen Ferdinand Broemsers auf. Dies ist uns jetzt leider nicht mehr möglich. Mit zunehmendem Alter mehrten sich die gesundheitlichen Sorgen, und die zunehmende Altersschwäche zwang ihn, im Februar 1999 die Wohnung in der Roonstraße aufzugeben und zusammen mit seiner Frau in das Haus „Betreutes Wohnen“ in der Hochstraße umzuziehen. Seine Bücher konnte Herr Broemser mitnehmen. Er liest weiterhin viele Bücher und Zeitungen, um das Zeitgeschehen zu verfolgen. Trotzdem fällt die Umstellung schwer. Im Augenblick erholt sich Herr Broemser von einem Krankenhausaufenthalt.
Wir wünschen Herrn Broemser und seiner Frau alles Gute und hoffen mit ihnen, daß sie bald wieder zu Kräften kommen.